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Bericht des Leistungskurses Geschichte im Zeitzeugencafé

Am Donnerstag, den 11.09.2017, besuchten wir, der Geschichts-LK im 5. Semester, mit unserem Lehrer Herrn Wallmann, das Zeitzeugencafé in der Residenz am Dom in Köln, welches jedes Jahr am 9. November stattfindet. Die Veranstaltung, welche uns der „Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte“ ermöglichte, gab uns und auch vielen Interessierten die Chance, einer Zeitzeugin zu begegnen, die über das Erlebte

als NS-Verfolgte berichtete. Wir hatten dabei nicht nur die Möglichkeit, ihr persönlich Fragen zu stellen, sondern auch einige Originaldokumente aus der Zeit zu betrachten. Im interessierten Publikum befanden sich zudem weitere Zeitzeugen und eine andere Schulklasse.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde – nach einer allgemeinen Begrüßung – einer der anwesenden Zeitzeuginnen, mit einem Blumenstrauß zum Geburtstag gratuliert. Nach dieser tollen Geste wurde Mariya Neimann, geboren 1930, dem Publikum vorgestellt.

Nun war es so weit. Das Interview konnte beginnen.

Frau Neimann berichtete zuerst über ihre glückliche Kindheit mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in Borissow (im heutigen Weißrussland). Dabei erwähnte Sie, dass ihre Mutter Lehrerin und ihr Vater Ingenieur war.

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht im Juni 1941 veränderte sich das Leben der glücklichen Familie schlagartig. Marias Mutter opferte sich für Maria, ihre Schwester und ihren Vater indem sie sie im Keller versteckte und die Tür mit alten Gegenständen tarnte, sodass niemand auf den Gedanken kam, im Keller nach weiteren Familienangehörigen zu suchen. So überlebte Mariya mit ihrer Schwester und ihrem Vater, und sie machten sich auf die Flucht, die nach 70 km endete. Sie wurden gezwungen wieder zurückzukehren und in ein Ghetto gebracht, wo sie schließlich unter sehr schlechten Bedingungen leben mussten. Das Ghetto wurde von lettischen Kollaborateuren überwacht, die auch auf die Menschen schossen. Glücklicherweise gelang es Mariya Neimann aus dem später angezündeten Ghetto zu fliehen und so von den grausamen Massenerschießungen verschont zu bleiben. Sie versteckte sich mit ihrer Schwester bei Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus, die den Schwestern später einen Fluchtweg zeigten. Der Vater musste sich bei anderen Bekannten verstecken. Vom Hunger getrieben, gingen die Schwestern von Tür zu Tür, um zu betteln, bis sie zufällig bei einem weißrussischen Polizisten klopften, der sie aus Mitleid in einem Kinderheim versteckte. Jedoch wurden die Kinder auch dort kaum versorgt und hungerten weiterhin. Als die Stadt bombardiert wurde, wurde auch das Kinderheim zerstört, doch die Geschwister konnten von einer Nonne gerettet werden, bevor die Rote Armee schließlich die Stadt Borissow von der NS-Herrschaft befreite.

Im Jahre 2000 wanderte Mariya dann nach Deutschland aus und begann über ihre Erinnerungen an die Zeiten unter der nationalsozialistischen Herrschaft zu berichten.

Nach dem Interview wurde eine zehnminütige Pause eingeführt, in der uns Kaffee und Kuchen angeboten wurden. Danach durfte das Publikum noch weitere Fragen an Mariya Neimann  stellen und sich sogar die mitgebrachten Dokumente wie Bilder, Briefe und Zeitungsartikel aus der Zeit anschauen.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, diese grausame und traurige Geschichte, die uns sehr nahe ging, von einem Menschen, der das eins zu eins miterleben musste, zu hören.

Zum Schluss möchte ich mich bei Frau Neimann dafür bedanken, dass sie uns die Möglichkeit gegeben hat, ihren berührenden Überlebenskampf miterleben zu dürfen.

Cosar Belkis (5. Semester)