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5. Semester: Der Grundkurs Soziologie besucht eine Vorlesung an der Universität Köln

Am Montag, den 22. Januar 2018 waren wir, der Soziologie-Grundkurs des 5. Semesters, mit unserem Lehrer Herrn Wallmann bei der Ringvorlesung „Ungleichheit und Umverteilung" in der Universität zu Köln. Prof. Dr. Frank Decker von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hat dort zu dem Thema „Politische Ungleichheit: Demokratie ohne Wähler?" referiert.

Prof. Decker hat sich mit der Problematik beschäftigt,

wer in einer Demokratie insbesondere zu den  sog. „Nichtwählern“ gehört und wie eine höhere Wahlbeteiligung erreicht werden könnte.

Zunächst hat er zwei verschiedene Prinzipien eines demokratischen Staates dargestellt. Zum einem nannte er die Volkssouveränität, also den Grundsatz, dass die Herrschaft vom Volk bzw. dessen Mehrheit ausgeht. Zum anderen erklärte er den Verfassungs- und Rechtsstaat, in dem Grund- und Menschenrechte sowie eine Gewaltenteilung gegeben sind. Bei der Volksouveränität bestehe ein Gleichheitsideal, welches verschiedene  Herausforderungen mit sich bringe, wie zum Beispiel das Verhältnis von Eliten und Massen oder die Frage der „gesellschaftlichen Demokratisierung“. Denn für das Gleichheitsideal in der Demokratie sei es notwendig, dass die Bürger ihr Wahlrecht überhaupt nutzen. Bei der Erreichung des Gleichheitsziels habe es in der Vergangenheit zwar schon einige Fortschritte gegeben, wie der Abbau der Diskriminierung von Homosexualität zeige, aber es bestünden auch weiterhin Probleme.

Diesbezüglich hat Prof. Decker die Frage aufgeworfen, wer eigentlich zu der wachsenden Gruppe der „Nichtwähler“ gehört. Dazu hat er verschiedene Grafiken gezeigt, welche vergleichend die Wahlbeteiligung in Deutschland nach Schulabschlüssen im Zeitraum von 1984-1992 und 2002-2008 darstellten. Diese ließen erkennen, dass besonders bei Personen mit niedrigem oder ohne Abschluss die Wahlbeteiligung deutlich abgenommen hat. Eine weitere Grafik hat die Wahlbeteiligung nach Stadtteilen visualisiert: in reicheren Gebieten ist die Beteiligung höher als in ärmeren.

Die zunehmende Selektivität der Wahlbeteiligung und des Wahlverhaltens zeige sich zudem auch mit Blick auf die Parteien. So konnte bei der letzten Bundestagswahl vor allem die AfD Nichtwähler mobilisieren und auf diese Weise Zugewinne für sich erreichen.

Die Wahlergebnisse in der unteren Mittelschicht und der Unterschicht ergänzen diese Aussage: Parteien wie die CDU/CSU oder Grüne erreichten dort nicht ihre durchschnittlichen Prozentpunkte, die AfD hingegen konnte in diesen Wählergruppen deutliche höhere Ergebnisse erzielen. Dabei habe das Programm der AfD diesen Gruppen Nichts zu bieten.

Als Ergebnis bilanzierte Prof. Decker einen Teufelskreis: sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen gingen oft nicht zur Wahl, da sie ihre Interessen nicht vertreten sehen, und die Parteien und Politiker hätten so keinen Anreiz, sich verstärkt um diese Gruppen zu bemühen.

Am Ende seines Vortrags stellte Prof. Decker noch verschiedene Lösungsvorschläge vor: zum Beispiel die Einführung einer Wahlplicht oder die „Bekämpfung der sozioökonomischen Spaltung an ihrer Wurzel“ u.a. durch umfangreiche Bildungsmaßnahmen. Eine Wahlpflicht würde aber laut Umfragen von ca. 2/3 der Bevölkerung abgelehnt. Andere Vorschläge waren die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre und die Einrichtung von neuen Orten und Techniken für die Stimmabgabe (z.B. im Internet). Insgesamt gebe es zwar viele Vorschläge, sie würden jedoch, ausgenommen der Wahlpflicht, wahrscheinlich nur ein bis zwei Prozentpunkte mehr Wahlbeteiligung einbringen.

Im Anschluss hat Prof. Decker noch Fragen aus dem Publikum beantwortet, und wir konnten schließlich vor dem Hörsaal bei Getränken noch innerhalb des Kurses über die Vorlesung und die aufgeworfenen Fragen diskutieren.

Ich fand, durch den Vortrag und auch durch die anschließend gestellten Fragen, konnte die Thematik aus anderen bzw. neuen Blickwinkeln betrachtet werden. Insgesamt war es ein gelungener Ausflug, bei dem das Wissen aus dem Soziologie-Unterricht noch erweitert und schon einmal etwas Uni-Alltag kennengelernt werden konnte.

 Becht (5. Semester)