• images/sliderlogo/sliderlogo-a.png
  • images/sliderlogo/sliderlogo-b.png
  • images/sliderlogo/sliderlogo-c.png
  • images/sliderlogo/sliderlogo-d.png
  • images/sliderlogo/sliderlogo-e.png

Henning Mankells Drama „ Butterfly Blues“ als Unterrichtsgegenstand in der Weiterbildung

Das Flüchtlingsthema wachhalten – WIR können alle etwas tun !!!   

 

Das Köln - Kolleg ist eine Weiterbildungseinrichtung. Dort können junge Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung ihre Fachhochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife erlangen und damit studieren.

Im ersten Halbjahr 2015 habe ich mit der Klasse 1 A, der Name ist Programm,  im Rahmen des Unterrichtsthemas Dramen – Analyse, den Text „ Butterfly Blues“ bearbeitet. Er passt in unsere Zeit, das werden Sie nachfolgend sehen. Bei der Auseinandersetzung mit dem Text, ging  es uns nicht nur darum, befähigt zu werden, eine Dramenszene zu analysieren, sondern gesellschaftspolitisch in der Frage der Flüchtlinge, insbesondere auf dem Mittelmeer,  über den Tellerrand zu schauen, was unseres Erachtens heutzutage die Wenigsten tun, wie den Studierenden in  ihrer Auseinandersetzung aufgefallen ist.

Patrick P. führt in das Drama und ordnet die zu analysierende Szene in den Kontext ein:

Die Szene ist aus dem offenen Drama mit epischen Zügen „Butterfly Blues“, welches 2003 erst einmal als Theaterstück geschrieben wurde, entnommen. Das Drama stammt aus der Epoche der Postmoderne, ab 1989, die nach der Moderne kommt, sie bezieht sich auf die alltäglichen Werte und Normen. 2005 wurde das Drama als literarische Fassung  erstmals veröffentlicht. Henning Mankell wurde am 3. Februar 1948 in Stockholm geboren und wuchs in Härjedalen auf. In seinen Stücken werden wenige Schauspieler verwendet, die aber mehrere Rollen einnehmen und ihre jeweils eigene Sprache entwickeln. Henning Mankell ist nach Afrika gereist, um besser die Kultur zu verstehen, seine Eindrücke hat z.B. er in das vorliegende Drama einfließen lassen. In dem Drama geht es um Sara und Ana, die den Weg von Afrika nach Europa auf sich nehmen, um ihr Glück zu finden und ihre Familien dadurch finanziell  unterstützen zu können.

Nun fasse ich den Inhalt der Schlussszene zusammen: Ana erzählt Sara, die nicht da ist, sondern nur gedanklich, dass sie nicht weiß, wieso sie überlebte. Ana beschreibt die schrecklichen Bilder in ihrem Kopf Sara. Ana erzählt Sara, dass jetzt alles vorbei sei und dass niemand auf Ana warte.

Danach ordne ich die Szene in das Drama ein, nach dem pyramidalen Aufbau von Gustav Freytag. Es handelt sich um die letzte Szene, um die Katastrophe. Man erkennt es daran, weil die zwei Flüchtlinge von Afrika nach Europa kamen und  nur eine von ihnen überlebten.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Henning Mankell einen guten Schluss zum Drama gefunden hat. Er zeigt genau, wie Ana am Ende alles gesehen hat und wie ihre Eindrücke waren. Sie war glücklich, dass sie es überlebte. Damit zeigt er genau, was Ana sah und was ihr geschah. Leider weiß man nicht genau, was mit Sara geschah. Am Ende der Szene sieht man, dass Sara noch etwas traurig war, weil sie Ana nicht mehr sehen konnte.

 

Sebastian B. schreibt schlussfolgernd:

Nun ziehe ich mein Fazit aus dem Drama und begründe meine gezogenen Schlüsse. Ich gebe Mankell vollkommen Recht, in Bezug auf das sich ständig wiederholende Flüchtlingsdrama haben nicht bloß Europas Regierungen versagt, sondern eine ganze europäische Gesellschaft. Der „Europäische Gedanke“, das ist, oder besser gesagt war einmal, eine Vision von verschwindenden Grenzen, von gemeinsamen Wohlstand und Toleranz. Diese Werte sehe ich nicht mehr.

Schaut man sich hierzulande die Reaktionen von uns an, wenn ein Flüchtlingsheim in einem gut situierten Wohnviertel gebaut werden soll, begreift man plötzlich, dass wir tatsächlich viel gemein haben mit den „Hunden mit weißen Zungen“ oder den Wählern der „Salzstreuer-Partei“, welche Mankell in seinem Stück erwähnt. Diesbezüglich kann ich nur betonen, wie dankbar ich um Künstler wie H. Mankell bin, welche sich ihrer künstlerischen Verantwortung bewusst und auch bereit sind, ihren Lesern/Zuschauern den Spiegel vorzuhalten. Dem Autor gelingt es auf eine eindrucksvolle Weise, den für uns unsichtbaren Phantomen, nämlich den Flüchtlingen, ein Gesicht zu verleihen. Auf diese Weise fällt wegsehen schwerer, was auch eine klare Absicht Mankells war.

Der Titel „Butterfly Blues“ steht daher symbolisch für die Trauer, aber eben auch für die Hoffnung, dass dieses Problem irgendwann ein Ende hat. Der Schmetterling (Butterfly) steht dabei sinnbildlich für die Wiedergeburt/den Neuanfang. Aber auch für Verletzlichkeit, denn fasst man einen Schmetterling an den Flügel, verliert dieser seine Flugfähigkeit und das Tier verendet. Die Hoffnung, dass sich in dieser dramatischen Entwicklung (Flüchtlingskatastrophe) etwas ändert, etwas Gutes daraus entstehen kann, muss behutsam und stetig vorangetrieben werden.

Markus W. meint:

Ich selbst habe mich schon viel mit der Flüchtlingspolitik auseinandergesetzt, ehrenamtlich in einem Flüchtlingsheim in Mühlheim und auch politisch. Ich kann nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die anderen Menschen verbieten wollen, über eine Grenze zu gehen, obwohl diese Menschen selber überall hingehen können und andere unter Umständen dabei ausbeuten, wo sie wollen. Dieses Territorialgesetz und Denken erschüttert mich so sehr, dass ich jegliche Sympathie für die Phrasen der Politik verloren habe. Es wird weder etwas für eine Verbesserung hierzulande, noch etwas um eine Verbesserung vor Ort, um das Leben der Flüchtlinge in ihrer Heimat zu stabilisieren, getan. Wenn ich das Recht besitze, in das Land zu reisen und denen erzählen kann, wie schön und wie gut es mir hier geht, dann sollten es die Anderen doch auch tun dürfen. Nur würden sie uns eine andere Geschichte erzählen, welche sich für uns nicht so schön anhört wie unsere. Ohne zu wissen, dass Mankell solch ein Stück geschrieben hat, würde ich von mir behaupten schon vorher  im Wirkungsgrad gewesen zu sein und dass die Wirkungstiefe durch die breite unterrichtliche Auseinandersetzung noch verstärkt wurde. Mein Fazit lautet: Henning Mankell hat ein großartiges Stück über ein hochaktuelles Thema geschrieben, wie zur Zeit im Mittelmeer und in den Medien über die Kritik an Flüchtlingsheimen in Städten zu beobachten ist. Das Stück gefällt mir gut und ich finde es wichtig, dass über das Thema berichtet wird.

Jannis W. kommt zu folgender Einschätzung, bezogen auf Drama und Thema:

Das Drama „Butterfly Blues“ ist dem Autor Henning Mankell auf jeden Fall gelungen. Auf Mankells typisch emotionale, künstlerische und moderne Art, vermag er es, den Leser in eine Welt zu führen, die er so sicherlich noch nicht gesehen hat. Es gelingt ihm, den Verstand des Lesers ein wenig mehr zu öffnen. Es zeigt, wie menschlich doch Flüchtlinge sind, und dass man sie mit Achtung und Respekt behandeln sollte. Hoffnung ist für viele Menschen der letzte Halt, und Hoffnung in Fluchtsituationen zu schöpfen, in Situationen, in denen andere Menschen sich an dem Leid der Flüchtlinge ergötzen, indem das Leid schamlos ausgenutzt wird, so etwas zeigt, dass Flüchtlinge soviel mitgemacht haben, dass ihnen gar keine andere Wahl bleibt, als die Hoffnung – weil  ihnen einfach  alles genommen wird.

Für mich ist die europäische Flüchtlingspolitik eine beispiellose Schande und ein Paradebeispiel, für die Fähigkeit der Europäischen Union, gewisse Dinge einfach zu ignorieren und darauf zu hoffen, dass sich der Flüchtlingsstrom von alleine auflöst. Es werden immer mehr Stimmen hörbar, die das Dublin Abkommen für gescheitert erachten. Große und schwerwiegende Kritik wird an dem Abkommen geäußert. Aus meiner Sicht sollte man  jedoch die aktuellen Politiker viel stärker angehen, als nur für das Dublin-Abkommen. Schließlich flüchten Menschen aus Krisenländern nicht erst seit gestern. Seit vielen Jahren schon wird leider erfolgreich weggeschaut.

Hier wird Menschlichkeit bewusst ausgeblendet, für andere Interessen der Politik. Nun, wo das Thema populärer wird, ist es erfreulich, dass eine Agenda dazu beschlossen wurde – beschämender ist es, dass der Kampf gegen Flüchtlinge weitergeht. Man muss gegen die kriminellen Schlepperbanden vorgehen – hier stimme ich mit der Politik überein. Einfach die Schiffe zu zerstören, ist aber kein Weg, sondern nur eine temporäre Blockade für Flüchtlinge. Es macht mich traurig und wütend, dass anstatt legale, sichere Möglichkeiten geschaffen werden, nur die Transportmöglichkeit zerstört werden soll.

Europa sollte seine Mauern einreißen und endlich zu dem offenen Länderbündnis werden, was es vorgibt zu sein. Des Weiteren ist eine gewisse Verpflichtung gewisser EU-Staaten vorhanden, Flüchtlinge aufzunehmen, denn in vielen afrikanischen Staaten, in denen Instabilität vorherrscht, waren zur Kolonialzeit europäische Eroberer.

Komplett unschuldig und frei ist niemand in der EU, und so empfinde ich es als Leugnung, über so lange Zeit nicht zu reagieren.

 

Diese Beträge zeigen eindrucksvoll und in positiver Weise, dass Dramenanalyse zwar das Eine, gesellschaftspolitische Bildung aber das Andere ist. Danke, für die engagierte Teilnahme und für die Auszüge Ihrer Prüfungsergebnisse.

Studienrat Dr. Dilewsky