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Seneca

Über kaum eine Persönlichkeit der Römerzeit sind die Urteile der nachfolgenden Generationen so gespalten wie über Lucius Annaeus Seneca, den römischen Politiker, Schriftsteller und Philosophen.

 Von den einen wird der stoische Philosoph und geniale Schriftsteller, der in seinen Schriften in geschliffenem Latein und in einem meisterhaften Stil für das Streben nach Humanität, einem sittlich guten Handeln und innerer Freiheit wirbt, fast abgöttisch verehrt. Es wurde sogar ein Briefwechsel zwischen Seneca und dem Apostel Paulus fingiert, da Seneca mit der in seinen philosophischen Werken bekundeten Humanität schon fast als "Christ" angesehen werden konnte.

Von den anderen wird er als Heuchler verachtet, der in seinen Schriften für das Ideal der Menschlichkeit, für moralisches Handeln und für die Abkehr von weltlichen Gütern eintrat, dabei aber selbst einer der reichsten Männer seiner Zeit war und unter Kaiser Nero in führender politischer Stellung Grausamkeiten seines eigenen Zöglings nicht nur nicht verhinderte, sondern manchmal sogar rechtfertigte.

Seneca wurde ca. im Jahr 4 v. Chr. in Corduba in Spanien geboren. Seine Familie gehörte dem Ritterstand an und sein Vater war ein berühmter Lehrer der Rhetorik. Seneca war zeitlebens gesundheitlich angeschlagen und hatte Atemwegprobleme. Zur Ausbildung ging Seneca, wie damals bei Söhnen reicher Familien üblich, nach Rom. Dort erhielt er Unterricht in der Rhetorik und der Jurisprudenz, widmete sich aber auch dem Studium der Philosophie. Insbesondere die Philosophie der Stoa prägte ihn nachhaltig. Nach dem Abschluss der Ausbildung betätigte sich Seneca als Anwalt. Durch Reden vor Gericht konnte sich ein junger Römer das Maß an Bekannt­heit beim Volk schaffen, das für die Wahl in ein öffentliches Amt notwendig war. Zunächst zwang ihn aber sein Gesundheitszustand zu einem längeren Aufenthalt in Ägypten.  

Im Jahr 31 n. Chr. kehrte er in stabilerer gesundheitlicher Verfassung nach Rom zurück, wurde zum Quaestor gewählt und trat in den Senat ein. Sein rednerisches Talent und die Bewunderung, die er dafür erntete, sollen aber bald den Neid von Kaiser Caligula (37 - 41 n. Chr.) erregt haben. Einem Todesurteil soll Seneca nur deswegen entgangen sein, weil man den Kaiser auf Senecas schwache Gesundheit und sein bevorstehendes Ableben hinwies. Auch unter dem Nachfolger von Caligula, Kaiser Claudius (41 - 54 n. Chr.), wurde Seneca Ziel und Opfer einer Intrige. Es war wohl Messalina, die Gattin des Kaisers, die 41 n. Chr. von ihrem Ehemann die Verbannung Senecas nach Korsika erwirkte. Der offiziell angegebene Grund war wahrscheinlich fingiert. Auf Korsika lebte Seneca die nächsten 7 Jahre, bis ihn die neue Ehefrau des Kaisers Claudius, Agrippina, im Jahr 48 n. Chr. als Erzieher für ihren Sohn Nero nach Rom zurückholen ließ.

Als Kaiser Claudius im Jahr 54 n. Chr. starb, wurde der 17-jährige Nero Kaiser. Allerdings leiteten in dessen ersten Regierungsjahren Seneca und der Prätorianer­präfekt Burrus gemeinsam die Geschicke des römischen Weltreiches. Diese Zeit wurde von späteren Historikern als das "Quinquennium aureum" (das goldene Jahrfünft) der Regierungszeit Neros bezeichnet. Allerdings entzog sich Nero in den folgenden Jahren immer mehr dem Einfluss seiner beiden Berater, und als Burrus im Jahr 62 n. Chr. starb, ersuchte Seneca Nero um seine Entlassung und bot ihm die Rückgabe aller vom Kaiser erhaltenen Geschenke an, die den Großteil seines Vermögens ausmachten. Dieser lehnte das Ersuchen zwar ab, aber Seneca zog sich trotzdem de facto aus dem politischen Geschehen in Rom zurück und widmete sich fortan seinen philosophischen Studien. In dieser Zeit verfasste er unter anderem die "Epistulae morales ad Lucilium", fingierte Briefe an einen Freund namens Lucilius, in denen er Fragen der praktischen Ethik erörterte und seinem Freund erläuterte.

Im Jahr 65 n. Chr. kam es zu einer Verschwörung einiger vornehmer Römer gegen Nero unter Führung eines gewissen Piso. Diese "Pisonische Verschwörung" wurde jedoch aufgedeckt und Nero nutzte die Chance, seinen ehemaligen Erzieher und Lehrer Seneca der Mittäterschaft zu bezichtigen und zum Selbstmord aufzufordern. Diesen Vollzog Seneca nach Erhalt des Todesbefehls, wie der Historiker Tacitus berichtet, in großer Gelassenheit und ohne Todesfurcht, ganz wie er es in seinen Briefen gelehrt hatte.